Letzte Woche hatten wir einen Betrieb, bei dem Auftragsdaten noch ausgedruckt und dann abgetippt werden. Abgetippt. Wir haben zweimal nachgefragt. Läuft wirklich so. Seit Jahren.
Was uns dabei immer wieder trifft: Die meisten wissen, dass da was nicht stimmt. Aber es hat noch niemand laut gesagt, dass man das ändern kann.
Im Ruhrgebiet hatten wir dieses Jahr. Großhändler, rund 30 Leute. Eine Mitarbeiterin überträgt täglich Bestelldaten von einem System ins andere. Zwei, drei Stunden. Bildschirm links, Bildschirm rechts, Artikelnummer für Artikelnummer. Wenn sie krank ist, bleibt's liegen.
Sie selbst fand das nicht schlimm. Hatte sich dran gewöhnt.
Der Geschäftsführer wusste das irgendwie. War nur nie Thema.
Wir haben das überschlagen – irgendwo zwischen 15.000 und 25.000 Euro im Jahr, nur für diesen einen Schritt. Die Schnittstelle war dann gar nicht das Problem. Das Problem war, dass das Warenwirtschaftssystem kaum dokumentiert ist und der ursprüngliche Anbieter nicht mehr existiert. Aus zwei Wochen wurden sechs. Hatten wir anders geplant.
Zu Salesforce, SAP und ähnlichem: Die lassen sich anpassen, klar. Aber irgendwann wird die Anpassung selbst das Projekt. Externe Consultants, Lizenzen, drei Monate Einführung. Am Ende ähnliche Kosten wie eine Eigenentwicklung – nur gehört einem das System dann trotzdem nicht. Und irgendwann weiß keiner mehr, wer was konfiguriert hat und warum.
Lohnt sich nicht immer, eigene Software. Für viele Sachen gibt's gute Standardlösungen. Aber wenn ein Prozess wirklich nur bei diesem einen Betrieb so existiert – eine Kalkulation, ein Außendienst-Workflow, irgendeine Schnittstelle zu einem System das seit 2009 läuft – dann ist eine eigene Lösung oft näher als gedacht.
Was wir fast immer sagen: einen Prozess nehmen. Den einen, der am meisten nervt. Den lösen. Schauen was passiert. Alles auf einmal funktioniert selten – meistens nicht wegen der Technik, sondern weil sich dann zeigt dass intern keiner wirklich bereit war, was zu ändern.
Oft steckt mehr drin, als man auf den ersten Blick sieht.